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Rezension Over The Wall

„Mega beeindruckend, was da auf die Beine gestellt wird“, „war top!“, „super Leistung von allen, aber insbesondere von Frau Neubauer“ waren einige der Kommentare, die man am Mittwochabend in der Aula am Murkenbach hören konnte. Das Premierenpublikum von „Over the Wall“, der neuesten englischsprachigen Theaterproduktion der MPG Drama Group, war begeistert. Die erste Aufführung der Gruppe seit nunmehr zwei Jahren überzeugte mit ihrer kleinen, aber feinen Besetzung aus sechs Schülerinnen der Kursstufe des Max-Planck-Gymnasiums (Lea Bährle, Marie Flügel, Jil Haas, Jolina Horn, Lea Lesch und Paula Semar) und der dynamischen Regie der langjährigen AG-Leiterin Kristina Kraemer. Um das Theatererlebnis perfekt abzurunden, wurde außerdem von Chantal Hotzy und der Jahrgangsstufe 2 ein kleines Catering mit Snacks und Getränken angeboten.

Ein schlichtes Bühnenbild und eine unaufgeregte, aber punktgenaue Technik (Jannik Schwarz, Ralf Gärtner und Jonathan Lipps) ermöglichen es den Darstellerinnen, mit ihrer Präsenz und ihrem Spiel ganz im Fokus der Inszenierung zu stehen. Da sich das Stück aus zwei Einaktern zusammensetzt, die nur lose durch ihre Thematik und ein symbolträchtiges Goldfischglas verknüpft sind, können die Schauspielerinnen ihre Wandelbarkeit in ganz unterschiedlichen Rollen eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Im ersten Teil des Abends spielen die meisten von ihnen Menschen, die ihre Neugier verloren haben – die Neugier darauf, Fragen zu stellen, auf die es keine einfache Antwort gibt, und die Neugier auf neue Gedanken und Erkenntnisse. Stattdessen bestehen sie darauf, mit ihrem Leben zufrieden zu sein, betrachten ihre Goldfische in ihren Gläsern und akzeptieren alles – auch die Existenz einer gewaltigen Mauer, die sie nicht überqueren können. Selbst der überkorrekte Professor (Marie Flügel) versucht lediglich, die Existenz der Mauer mit pseudo-wissenschaftlichen Gründen zu rechtfertigen, während eine feine Dame (Paula Semar) diese Idee von alternativer Wahrheit noch auf die Spitze treibt und die Mauer für nicht real erklärt. Als sich dann doch einer der Menschen als Entdecker entpuppt, der seinen Verstand nutzen und herausfinden möchte, was sich jenseits der Mauer befindet, werden den anderen seine Fragen schnell lästig …

Wie den Entdecker die Mauer inspirierte dieses erste Stück die Zuschauer zum Nachdenken über den eigenen Umgang mit existenziellen Fragen: Was gewinnt (oder verliert) man eigentlich dadurch, sich mit komplexen Fragestellungen zu beschäftigen, auf die es gar keine richtige Antwort gibt? Blenden wir existenzielle Fragen einfach aus, wenn sie unserer Weltsicht widersprechen oder die Sinnhaftigkeit unseres Alltagslebens kritisch hinterfragen? Sind wir selbst eher Goldfischbeobachter oder Entdecker? Und was wollen wir sein?

Als wäre dies noch nicht genug Denkanstoß für das Publikum, legte der zweite Teil direkt mit einer nicht minder nachdenklich stimmenden Thematik nach: Zwei Wanderinnen, Mrs. Jones und Mrs. Smith (mit überzeugender Dynamik dargestellt von Paula Semar und Lea Lesch), wollen nach einem langen Marsch in ihrem Hotel einchecken, dessen Angestellte von Anfang an eher exzentrisch, die ältere Dauergästin Mrs.Blake nahezu feindselig wirken. Hier glänzten Lea Bährle als treudoofe Rezeptionistin und Jil Haas als Hotelmanagerin mit überfreundlicher Fassade. Doch nach dem recht freundlichen Empfang eskaliert die Situation, als sich herausstellt, dass eine der beiden Wanderinnen mit Nachnamen Smith heißt. Von nun an ist sie dem glühenden Hass von Mrs. Blake (bösartig und gleichzeitig tragisch gespielt von Jolina Horn) ausgesetzt, die alle Smiths abgrundtief hasst, und erlebt auch von den Hotelangestellten nur Ablehnung, die eine Smith nicht in ihrem Haus übernachten lassen wollen. – Lena Först